Pilotprojekt Visuelles Storytelling

Anders – Und genau deswegen richtig gut

„Anders – Und genau deswegen richtig gut“ so lautet der Titel, den Ulrike Parthen für Ihren Blogbeitrag zu unserem gemeinsamen Projekt gewählt hat. Wie ich finde, sehr passend und macht Lust darauf herauszufinden was dahintersteckt.

Ulrike und Ich kennen uns vom Netzwerken. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und wussten gleich, dass wir gemeinsam etwas machen wollen.

Nach kurzer Zeit dann die geniale Idee unsere Künste zu kombinieren und ein ausgesprochen tolles Produkt zu schaffen!

Doch wie geht man so etwas an? Das haben wir uns auch gefragt und deshalb beschlossen, ein gemeinsames Pilotprojekt zu starten, anhand dessen wir die Prozesse und unsere Zusammenarbeit testen.

Ulrike ist eine begabte Texterin und schreibt wundervolle Portraits. Ich illustriere für mein Leben gerne und beschäftige mich schon seit Langem mit visuellem Storytelling. Da lag es für uns auf der Hand, dass wir ein geschriebenes Portrait von Ulrike auswählen, das wir mit meinen Illustrationen abrunden.

Ausgewählt haben wir dafür das Portrait von Cristina Roduner. Meiner Meinung nach, ein äußerst gelungenes Portrait. Cristina ist Social-Media- und Kommunikations-Expertin. Ulrike hat ihr Portrait vor ca. einem Jahr geschrieben und sie sind seitdem im engen Kontakt. Ulrike hat Cristina für unser Pilotprojekt ausgewählt, weil Cristina eine sehr offene Person ist, die gerne auch etwas Neues ausprobiert. Wenn du nachher unser Pilotprojekt liest und betrachtest, wirst du merken wovon ich spreche!

Wie ich unser Pilotprojekt angegangen bin, wie mein Prozess ist und welche Fragen ich für mich beantwortet habe, möchte ich jetzt mit dir teilen.

Zunächst habe ich Cristinas Portrait von Ulrike zugesandt bekommen und es mit Freude gelesen. Mir sind auf Anhieb diverse Bilder vor meinem geistigen Auge erschienen. Also habe ich schnell mein treues Sketchbook gezückt und sofort alles in Notizen und Scribbles festgehalten.

An dieser Stelle habe ich auch schon direkt gewusst in welchem Stil ich die Illustrationen machen werde, denn Cristina und mich verbindet ein gemeinsames Interesse – Wir sind beides Metalheads! Da war für mich alles geritzt.

Scribble Cristina Roduner

Ulrike und ich haben uns sogar noch einen Spaß dabei erlaubt! Und zwar habe ich das Portrait ohne jegliche Fotos von Cristina geschickt bekommen. Anhand des Portraits und der Art und Weise, wie Ulrike über Cristina geschrieben hat, habe ich mir selbst ein Bild von ihr gemacht, um es dann mit der echten Cristina zu vergleichen.

Mein Scribble
Original

Kommt dem Original schon recht nahe, oder?! Ich finde es einfach unglaublich spannend, wie eine Person im Kopf zum Leben erweckt wird, obwohl man sie noch nie zuvor gesehen oder von ihr gehört hat. Wie sie so ist, was sie wohl so macht und mag? Für all das hat man auf einmal eine Antwort.

Doch wie geht’s nun weiter? Warum habe ich mich für bestimmte Illustrationen entschieden, warum sind einige entfallen? Warum erstreckt sich eine Illustration auf eine Doppelseite und die andere nur über eine halbe Seite?

Das klären wir nun anhand meines Prozesses in einigen Schritten.

1. Schritt - Basis schaffen

Nach den ersten Scribbles und Notizen habe ich zunächst damit begonnen eine Datei anzulegen. Ich wusste ja, dass wir Cristina eine gedruckte Version zuschicken möchten, also musste die Datei dementsprechend angelegt werden. Also umlaufend 2mm Beschnitt, Farbprofil, Dokumentgröße usw. eingestellt und auf „Erstellen“ geklickt.

Nachdem die Datei angelegt war, habe ich die Abschnitte auf verschiedene Seiten unterteilt, Umbrüche korrigiert, Absatzformate für Headlines und Fließtext angelegt und die Reihenfolge der Seiten für den späteren Druck vorsortiert.

Dies schafft Struktur und gibt mir die Möglichkeit mir jeden Abschnitt einzeln vorzunehmen und zu bearbeiten.

2. Schritt - Eine Frage des Stils

An dieser Stelle würde ich mir normalerweise Gedanken machen, welcher Stil zu der Person passt. Da es bei Cristina aber bereits im Vorfeld klar war, habe ich den Schritt übersprungen.

Grundsätzlich stelle ich mir aber an dieser Stelle viele Fragen, notiere mir die Antworten und erstelle ein Moodboard mit passenden Posen und Bildern mit einer bestimmten Stimmung. Sammle passenden Farbpaletten und betrachte was ich alles zusammengetragen habe, um so ein ganz bestimmtes Gefühl für die Person zu bekommen. Wenn ich zufrieden bin, dann erst gehe ich zu Schritt Nr. 2 über.

Hier zwei Beispiele für dich:

Die Person aus dem Portrait ist weiblich, sportlich, fröhlich, hilfsbereit und hat eine starke familiäre Bindung. Hier passen leichte, helle Farben. Sie sollte in dynamischen und aktiven Posen dargestellt werden, um ihre Sportlichkeit hervorzuheben. Sie ist immer mit mehreren Personen zu sehen mit denen Sie herzlich umgeht. Da sie viel Sport macht, kann man sie z.B. auch mit geflochtenen Haaren oder einem Pferdeschwanz zeigen, denn offene Haare sind beim Sport nur lästig.

Haben wir aber z.B. einen knallharten Geschäftsmann vor uns, der eher kühl und distanziert ist, bei dem Werte, wie Loyalität und Ehre an erster Stelle stehen, dann passen eher z.B. Rot- und Grautöne. Es passen heroische und statische Posen, bei denen er im Vordergrund steht. An seiner Seite immer jemand, der ihm untergeben ist und nur im Hintergrund zu sehen ist. Den Untergebenen kann man in verschiedenen Zeitabschnitten darstellen, damit der Betrachter erkennt, dass dieser dem Geschäftsmann schon lange ergeben ist.

Grundsätzlich gilt, dass einige Kleinigkeiten einen sehr großen Effekt haben können und man diese bewusst einsetzen sollte.

3. Schritt - Jetzt geht’s ans Eingemachte

Nun, da die Abschnitte bereits im ersten Schritt verteilt wurden, man einen Stil festgelegt hat, gilt es zu entscheiden wie viele Illustrationen für einen Abschnitt notwendig bzw. sinnvoll sind, um die Kernaussage zu transportierten. Anschließend schaut man wie diese verteilt werden sollen und welche Gewichtung die einzelnen Illustrationen zueinander und zum Text haben sollen.

Dies zu entscheiden ist ein sehr wichtiger Punkt im gesamten Prozess und beeinflusst den Leser extrem, denn die Illustrationen erfasst man beim Aufblättern direkt als aller erstes und sie erzählen beim Betrachten schon bereits worum es geht.

Schauen wir uns dazu den ersten Abschnitt an:

„Damals, vor vielen Jahren. Auf leisen Sohlen schlich ich in Mamas heimisches Büro.
Sollte ja niemand merken, dass ich vor Neugierde fast platzte, denn dieses Internet war bei uns eingezogen. Jeder redete davon und natürlich wollte ich das sofort testen.

Klick, Rechner fix eingeschaltet, auf den Browser Netscape geklickt, die Startseite von
bluewin.ch schaute mich an. Arg viel weiter kam ich jedoch nicht und schon gar nicht so
richtig in dieses Internet hinein, denn: Wo klicken, um von bluewin weiter zu kommen?
Das hatte ich mir einfacher vorgestellt!

Dass zwischen dem Internet und mir im Verlauf dennoch eine grosse Liebe entstehen
konnte – ja, daran sind vermutlich meine Gene schuld und zum Teil sogar die Menschheitsgeschichte.

Klingt lustig, gell? Hat aber alles sehr viel miteinander zu tun.“

Im ersten Abschnitt geht es um die kleine Cristina und wie sie das erste Mal mit diesem „Internet“ in Kontakt tritt. Im Abschnitt wird beispielsweise aber auch über den Browser Netscape und die Startseite bluewin.ch gesprochen.

Doch sind diese Informationen für diese Szene ausschlaggebend oder könnte es auch ein anderer Browser sein? Eine andere Startseite?  Okay, zugegeben, durch diese beiden Informationen kann man z.B. ableiten, dass Cristina aus der Schweiz kommt und, dass dieses Ereignis schon eine Weile her sein muss, denn Netscape ist heutzutage wohl eher nicht der verbreitetste Browser.

Viel wichtiger ist aber, dass Cristina als junges Mädchen, getrieben von ihrer Neugierde unbedingt in dieses Internet hineinwollte, sich dafür sogar unerlaubterweise in das Büro Ihrer Mutter schleicht und am Ende nicht wirklich weit gekommen ist. Dieses Ereignis hat sie geprägt hat und ist der Auftakt für ihre spätere Laufbahn.

So gehe ich nun Abschnitt für Abschnitt durch, erkunde welche Szenen wichtig für die gesamte Geschichte sind, erstelle Scribbles um den Ausschnitt festzulegen, entscheide ob ich die Illustrationen halbseitig oder ganzseitig mache und zeichne alles auf meinem Ipad.

Für alle, die sich an dieser Stelle fragen, welches Programm ich benutze und welche Pinsel – Procreate x5 und The Rusty Nib von True Grit Texture Supply.

4. Schritt - Dummy und das große Finale

Nachdem alle Illustrationen erstellt und entsprechend positioniert sind, erstelle ich immer einen Dummy, wenn es sich um Printprojekte handelt. Dafür braucht man auch keinen ausgefallenen Drucker oder so. Ein ganz normaler Farbdrucker genügt. Ich benutze einen Canon MX725.

Es geht hierbei darum festzustellen, ob man beispielsweise eine zu kleine Schriftgröße gewählt hat, ob die Farben eventuell zu dunkel wirken könnten, weil man ja nur am Bildschirm gearbeitet hat. Ob die Illustrationen vielleicht doch zu klein oder groß sind usw. Ich versuche im Grunde alles auszuschließen, was im späteren Druck schiefgehen könnte.

Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, so exportiere ich die Druckdatei, ziehe alles auf einen Stick und gehe damit zur Druckerei meines Vertrauens.

Das gedruckte Büchlein habe ich dann fix zu Cristina geschickt und mit freudiger Erwartung einen Präsentationstermin abgestimmt. Die Tage bis das Büchlein bei Cristina angekommen ist und wir endlich präsentieren konnten vergingen wie im Flug und nun war es endlich so weit.

Wie wird Cristina auf unsere Arbeit reagiert? Wird es ihr gefallen? Was, wenn ich Sie unpassend dargestellt habe und es ihr nicht gefällt? Diese Fragen und Unsicherheiten wurden durch ihre ehrliche und positive Reaktion sofort weggespült!

Cristina konnte sich vor Spannung kaum halten als sie den Umschlag öffnete und ihr ein „Boah! Wie toll ist das denn?“ entfuhr.

Unsere vorhaben ist also geglückt, unsere Arbeit gut angekommen! Nun hast du schon ein paar Illustrationen gesehen und hier findest du nun das gesamte Kunstwerk! Klicke einfach auf das Buch.

Vielleicht fragst du dich wofür du das nutzen könntest? Die Anwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielseitig. Eventgeschichten, Erfolgsgeschichten, Buchprojekte, Unternehmensportraits, Lebensgeschichten, Innovationsgeschichten oder natürlich auch für den privaten Zweck. Alles ist möglich.

Wie es für dich am besten passen könnte, das klären wir gerne in einem kostenfreien Zoom-Call. Terminvereinbarungen unter alex@oldoakdesign.de

Copyright
Foto Cristina Roduner – Eliane Munz
Fotos Ulrike Parther – Rüdiger Lutz
Illustrationen und Fotos Alexander Zimmermann – Alexander Zimmermann